Der Trugschluss der zentralen Steuerung

Ob in Brüssel oder Berlin – der regulatorische Reflex der Politik auf technologische und wirtschaftliche Umbrüche ist fast immer derselbe: Regulierung, Besteuerung, Einschränkung. Ob es um die Besteuerung dezentraler Finanztechnologien, Verbote von Verschlüsselungstechnologien oder die Überwachung digitaler Kommunikationskanäle geht – stets steht der feste Glaube im Vordergrund, ein komplexes, globales System von oben herab steuern zu können. Doch das ist ein fataler Trugschluss.
Komplexe und organisch gewachsene Systeme passen sich an. Wenn die Rahmenbedingungen an einem Ort zu eng gesteckt werden, wandern Kapital, Intelligenz und Innovation ab. In einer digitalen Welt, in der Netzwerke physische Grenzen bedeutungslos machen, ist diese Abwanderung so einfach wie nie zuvor. Das Ergebnis staatlicher Überregulierung ist daher selten die gewünschte Kontrolle, sondern vielmehr der Verlust der eigenen technologischen und wirtschaftlichen Relevanz.
Die europäische Politik glänzt seit Jahrzehnten primär als globaler Chef-Regulator, nicht als Innovator. Anstatt Freiräume für Wachstum und Eigenverantwortung zu schaffen, wird versucht, den Erfolg anderer nachträglich zu reglementieren und abzuschöpfen. Wahrer Fortschritt und systemische Resilienz entstehen jedoch nicht durch zentrale Planung, sondern durch Dezentralität, Wettbewerb und das Vertrauen in die Eigeninitiative freier Individuen.